Das Projekt

 

Teilrekonstruktion der ehemaligen Mauern von Sankt Salvator

 

Die Originalpläne der einstigen Wallfahrtskirche

1767/68 durch den fürstbischöflichen Hofbaudirektors  Peter Mauritio Pedetti aus Eichstätt nach diesem Riss erweitert.

Ansicht von Südosten Grundriss Ansicht von Nordwesten Blick in den Chorraum

Ausgrabung der ehemaligen Wallfahrtskirche St. Salvator bei Rauenzell

Stadt Herrieden, Landkreis Ansbach, Mittelfranken

 

Die Grabung

Etwas 500 m südöstlich des Ortskern von Rauenzell befindet sich auf einer Erhebung im Steinbachwald die abgegangene Wallfahrtskirche St. Salvator. Nach Ausweis der schriftlichen Überlieferung ereignete sich hier im Jahre 1353 ein Hostienwunder, in dessen Folge an dieser Stelle eine kleine Holzkapelle errichtet wurde. Der stetige Zustrom von Pilgern legte das finanzielle Fundament für den Bau einer Steinkirche, deren Weihe für das Jahr 1393 belegt ist. 1767/68 wurde diese durch den Eichstätter Hofbaumeister Moritz Pedetti erweitert. Im Zuge der Säkularisation erfolgte im Jahre 1807 gegen den vehementen Widerstand der örtlichen Bevölkerung der Abbruch der Wallfahrtskirche.

Obgleich der Beginn der Ausgrabungen im Landschaftsbild nichts mehr auf die Existenz der Kirche hinwies, war sie doch im Bewusstsein der Rauenzeller Bevölkerung bis heute nahe zu ungebrochen präsent. Im Bestreben, diese Erinnerung wach zu halten, wurde im Sommer 2002 der Förderverein St. Salvator gegründet, der es sich unter anderem zum Ziel gesetzt hat, den Grundriss der barocken Wallfahrtskirche im Gelände wieder sichtbar zu machen.

Eine im Spätherbst 2002 unter Aufsicht der Dienststelle Mittelfranken des Bayrischen Landesamtes für Denkmalpflege durchgeführte Grabung – unterstützt durch ehrenamtliche Mitarbeiter des Fördervereins St. Salvator – sollte Information über die genaue Lage und Ausdehnung der barocken Wallfahrtskirche sowie den Zustand des im Boden zu vermutenden Mauerwerks liefern, um so ein Grundlage für die für das Jahr 2003 geplante Sichtbarmachung des Kirchengrundrisses zu schaffen.

Im Laufe dieser Grabung gelang es, den Kirchenbau Mauritio Pedettis, von welchem eine, welchem ein, wie sich zeigte, sehr exakter Bauplan existiert, in seiner gesamten Ausdehnung von 37 X 17 m nahezu vollständig zu erfassen. Das Langhaus war allerdings nur durch seine Fundamentausbruchgräben nachweisbar. Lediglich im Bereich der Steinkapellen waren geringfügige Reste eines aus verhältnismäßig großen, nur grob zugerichteten Bruchsandsteinen bestehen Fundamentes anzutreffen. Ein gänzlich anderes Bild bot sich im Bereich des im Bauplan Pedettis verzeichneten Chores mit 3/8-Schluss und des nördlich ansetzenden Turmes. Hier konnten die 1,30 m starken, aus kleinteiligem, plattig zugerichtetem Steinmaterial sorgfältig vermauerten Fundamente des gesamten Chores sowie des in Teilen ausgebrochen Turmes nachgewiesen werden. Da sich die im Kirchenschiff angetroffenen Fundamente in Steinbearbeitung, Mauertechnik und verwendetem Mörtel deutlich von jenen im Bereich des Chores unterscheiden und zudem ei Chor mit 3/8-Schluss für den Barockbau auszuschließen ist, darf man wohl davon ausgehen, dass es sich hierbei um die Reste der für 1393 bezeugten ersten Steinkirche handelt.

Ein bemerkenswerter Befund trat innerhalb des gotischen Chores zu Tage, wo die Mauern eines weiteren Kirchenbaus aufgedeckt werden konnten. Es handelt sich um eine Saalbau mit eingezogenem Rechteckchor, von welchem sich noch zwei Lagen aufgehendes Mauerwerk mit  Innenputz erhalten haben, während vom Saal selbst nur noch das einlagige Fundament vorhanden ist.

Eine Interpretation dieses Befundes als Substruktion für eine Holzkirche, wie sie hier für die Mitte des 14. Jahrhundert durch die schriftliche Überlieferung belegt ist, erscheint wenig wahrscheinlich, sind derartige Fundamente doch in der Regel nur zwischen 0,3 und 0,5 m stark und wesentlich weniger sorgfältig gemauert. Der Bautypus des Saalbaus mit eingezogenem Rechteckchor weist eher auf eine Datierung in vorromantische Zeit nicht ausschließen lassen. Fundmaterial, welches eine genauere chronologische Zuweisung ermöglichen würde, fehlt jedoch völlig. Was hingegen die Nutungsdauer dieses Krichenbaues betrifft, geben die beide im Innenraum flächig angetroffenen Laufhorizonte Auskunft, von denen der stratigraphisch jüngere Keramik der Zeit um 1300 erbrachte Es darf somit aus archäologischer Sicht als gesichert gelten, dass dieser Platz seine Bedeutung nicht erst mit dem für das Jahr 1353 überlieferten Hostienwunder erhielt. In welchem historischen Kontext dieser älteste Kirchenbau zu stellen ist, bleibt eine Fragestellung für die mediävistische Forschung.

G. Schmidt

 

Das Gesamtprojekt

Die archäologische Ausgrabung im Bereich der ehemaligen Wallfahrtskirche St. Salvator bei Rauenzell erfolgte im Rahmen eines mit EU-Geldern geförderte Leader+-Projektes in der Region Hesselberg im südlichen Landkreis Ansbach. Sie stellt den ersten Schritt der Projektumsetzung dar, der als Voraussetzung für die geplante Fundamentrekonstruktion des Kirchenbaus von 1767/68 notwendig war. Durch die fachliche Begleitung und Koordination der Archäologen der Entwicklungsgesellschaft Region Hesselberg mbH konnten im Herbst 2002 die Arbeiten zügig durchgeführt und soweit abgeschlossen werden, dass die Grundlagen für das Rekonstruktionsvorhaben jetzt in Form eines Grabungsplanes mit drei Bauphasen zur Verfügung stehen. Der ab Frühjahr 2003 anstehende zweite Schritt besteht in der landschaftsplanerischen Gestaltung der Anlage. Die zum Teil überraschenden Grabungsergebnisse lassen eine Überarbeitung des ursprünglich vorgesehenen Entwurfs, der nur eine Rekonstruktion des jüngsten Kirchenbaufundamentes beinhaltet, als sinnvoll erscheinen.

Die Beteiligung und gute Zusammenarbeit verschiedener kirchlichen Stellen, Behörden, Firmen, Organisatoren und ehrenamtlicher Kräfte machen aus diesem Projekt ein gelungenes Beispiel im Rahmen kultureller Regionalentwicklung. Die angedachte Herausgabe einer Festschrift zum Gesamtprojekt anlässlich der im Juli 2003 gefeierten 650-Jahrfeier des Hostienwunders als Anstoß für die Wallfahrt wäre eine gute Ergänzung und Abrundung dieses von weiten Bevölkerungsteilen getragenen Vorhaben.

E. Weinlich

Quelle: Archäologie in Bayern 2002

 

Rekonstruktion der Grundmauern

 

Nachdem die archäologischen Grabungen Ende 2002 gemacht wurden, einigte man sich erst im nächsten Jahr mit der Rekonstruktion zu beginnen. Man war sich einig nur mit einem schlüssigen Gesamtkonzept beginnen zu können. Beim ersten Treffen mit den Behörden der Denkmalspflege, welche die entscheidende Instanz bilden, konnte man sich ohne größere Diskussionen darauf einstimmen, dass man die alten Mauern wieder mit Steinen in einer ungefähren Sitzhöhe anlegen möchte. Die nun verstreichende Zeit brachte es mit sich, dass weiter Vorschläge aufkamen und in den Raum gestellt wurden. Um auch diese zu behandeln und einen vernünftige Zukunftsgestaltung zu erreichen, wurde ein weiterer Ortstermin mit Frau Dr. Heinzelmann vom Landesamt für Denkmalpflege aus München einberufen. Hier nun wurde von beiden Denkmalsabteilungen zum einen von “A” für alle Oberirdischen Denkmalsaktivitäten und zum anderen von “B” für alle unterirdischen Aktivitäten, nochmals bestätigt, dass ein gesamte Rekonstruktion in Form von einer Steinmauer aus Sandstein unter genauesten Vorgaben der Denkmalsbehörde statt gegeben wird. Noch während des Ortstermins sprach sich Willi Heller vom Ingenieurbüro Heller / Herrieden aus, die benötigten Genehmigungspapiere und die Planzeichnungen zu erstellen. Immer in Absprache mit Dekan Härteis, Herrn Weber vom Landratsamt Ansbach und Herrn Nadler von der Denkmalsbehörde “B” in Nürnberg und seiner ausführenden Hand dem Archäologen Herrn Weinlich wurden sämtliche weiteren Schritte ausgeführt. So kam es dann bei einem dritten Ortstermin in kleiner Runde schließlich doch zur Genehmigung der Rekonstruktion im Chorbereich. Der aufmerksame Leser wird sich nun fragen, “Wieso nur der Chorbereich?” Für den Langhausbereich soll erst im nächsten Jahr zusammen mit der restlichen Außengestaltung eine Lösung gefunden werden. Zunächst war es einfach wichtig, vorhandenes Mauerwerk wetterfest und wintersicher, mit einer Schutzschicht aus deutlich abgrenzendem Beton, zu erstellen. Um eine Vorstellung von der später aufgesetzten Steinmauer zu geben, schlug Herr Weinlich, der unsere Maßnahme in Zukunft parallel zu dem Ruffenhofener Kastell begleiten wird, vor, eine Steinreihe zu platzieren. Besonders erwähnt gehören natürlich unsere freiwilligen Helfer sowie alle Gönner der ehemaligen Wallfahrtskirche St. Salvator. Jeder einzelne stand bereit und zeigte mutig seinen Einsatzwillen. Um dies in aller Deutlichkeit noch einmal zu sagen, diese Männer werden die Säulen sein auf denen diese Kirche in Zukunft stehen wird. Hingegen dem Gerücht, dass die Arbeiter oben an der Kirche schon eine abgeschlossene Gemeinschaft wären, ist jeder der sich engagieren möchte herzlich willkommen. Nicht zu leugnen ist jedoch, dass das gemeinsame Ziel die Arbeiter fester verbunden hat. Wie bei einem Musiker der Applaus der Lohn ist, so sind der Lohn für unsere Bemühungen Menschen, die die Mauerreste der ehemaligen Wallfahrtskirche besuchen und noch mehr, wenn sich der eine oder andere für eine Mitgliedschaft in dem Förderverein St. Salvator e. V. entschließen könnte. Wir sind guten Mutes, dass weiterhin das Interesse der Bevölkerung an diesem Projekt bestehen bleicht und künftig genauso viele die herrliche Waldumgebung nutzen, um einen erholenden Spaziergang zu machen.                             

Markus Göppel

Salvator-Brunnen

Freilegung und Teilrekonstruktion

 

Anfang 2003 wurde damit begonnen, mit maschineller Kraft, die schwere Steinplatte des Brunnen nahe der Wallfahrtskirche St. Salvator abzunehmen. Gespannt wurde nun dem Kommenden entgegen gefiebert. Der erste Blick traf Trockenmauerringe aus Sandsteinen in wahrhaft hoher Qualität mit Durchmesser 1,30m. Der Zweite zeigte dann in einer Tiefe von etwa 6,00m ein Gewirr aus Ästen, Steinen und kleineren modernen Gesellschaftsunrat. Es verging nicht viel Zeit bis man eine entsprechende Konstruktion auf die Beine stellte und man den ersten eifrigen Arbeiter hinab lassen konnte. Natürlich immer mit einem Auge auf die Sicherheit gerichtet. In Absprache mit der Freiwilligen Feuerwehr Herrieden waren deshalb Einrichtungen wie Sicherheitsseil, Geschirrgurt, Helm, Atempressluft und Arbeitsbeleuchtung stets anwesend. Auf der Suche nach der Vergangenheit lud man alles Vorzufindende in Stahleimer und die Helfer oben zogen die kostbare Fracht ans Tageslicht. Selbstverständlich wechselte man sich ständig ab, wollte doch jeder an dieser abenteuerlichen Schatzsuche beteiligt sein. Geschichten die seit Jahren in der Bevölkerung erzählt wurden, fanden nun wieder neues Leben und gaben unseren Arbeitern eine zusätzliche Motivation, um goldgräberhaft Wasser zu finden. Ich nahm zumindest an, dass man Wasser finden wollte oder vielleicht ein Utensil aus der Wallfahrtszeit. Jedoch dem Gerücht, dass unsere Arbeiter im Brunnen das ehrenwerte Fräulein von Neuses suchten, möchte ich hier nicht weiter ausführen. So wurde Eimer für Eimer eingeräumt, hochgezogen und oben warteten dann unsere fleißigen Hobby-Archäologinnen, die mit scharfem Auge jegliche Funde vom Schutt trennten. Da kamen dann schon so manche sensationelle Dinge von 1806 und früher hervor, immer begleitet von Scherben aus der Zeit der Wallfahrt. In einer Tiefe von 17,60m war es nun soweit, das erste Wasser wurde hochgebracht. Infolge dessen stellten sich die weiteren Arbeiten schwieriger heraus, als man dachte. So dass man bei einer Tiefe von etwas 20 Metern die Arbeiten einstellen musste, da dem quellenden Wasser niemand mehr die Stirn bieten konnte. Die Lösung brachte dann eine Brunnengrabungsfirma, die fachmännisch die letzte Etappe freilegte und in einer Tiefe von 22,30m auf die Brunnengründung stieß. Oberirdisch rekonstruierte man mit alter Handwerkskunst nun den Brunnenkopf, um ein Stück zerbrochene Vergangenheit wieder herzustellen.

 Markus Göppel

Sitzecke

am Parkplatz bei der Dicken Eichen

 

Viele werden sie noch kennen, die moosig-grüne Holzbank bei der Dicken Eiche am Fuße des Steinbachwaldes. Ob dort nun so mancher Autofahrer ein Pause auf seiner Reise machte, Arbeiter ihre Brotzeit hielten, Sparziergänger weltentrückt ruhten und nicht zu vergessen die Kinder, die ihren Spielplatz nur zu gern hierher verlegten, war sie doch immer eine gern genutzte Anlaufstation für jedermann. Ungebrochen ist bis zum heutigen Tag die Anziehungskraft der Dicken Eiche, die seit Jahrhunderten anhält und uns noch überleben wird. Umso trauriger ist es, dass diese Ruhebank von ihrem Platz weichen musste und somit ein weiterer Teil gemütlicher Lebensqualität entschwand.
Der Förderverein Sankt Salvator e. V. griff die Idee auf, bei der Dicken Eiche wieder eine Sitzgelegenheit in gemütlicher Atmosphäre zu schaffen. Kaum angedacht wurden schon nach kurzer Abstimmung mit unserer Bau- und Planungsabteilung, die Verantwortlichen mit ins Boot gezogen. Auf das Engagement der freiwilligen Arbeitern konnten wir uns, wie immer, verlassen. Schulter an Schulter und voller Tatendrang begann man dann am Mittwoch den 24.09.2003 damit, dass die im Vorfeld abgesteckten Planungen mit Unterstützung des Bauhofs Herrieden hergestellt wurden. Als dies geschehen war, wurde mit großen Sandsteinen eine Mauerecke mit einer Höhe von ungefähr 1.50 m aufgesetzt. Diese Steine wurden eigens aus Ansbach angeliefert und jeder einzelne ist gemustert und gegebenenfalls aussortiert worden. Und nur mit der filigranen Unterstützung erfahrener Maschinenführer konnte Stein für Stein aufgesetzt werden. Kaum deutete sich an, dass die Mauerarbeiten ihrem Ende zu gehen werden, begann man mit der Suche nach passenden Sandsteinplatten für die Pflasterarbeiten. So entstand innerhalb von 2 Tagen mit unermüdlichem Arbeitswillen eine Steinmauerecke mit gepflastertem Untergrund, die unwahrscheinlichen Charme ausstrahlt. Der gravierte Schlußstein dieser Mauerecke wurde dann am 23.12.2003 gesetzt, er trägt die Inschrift „Förderverein St. Salvator 2003“. Im Frühjahr 2004 wurde die Mauerecke mit zwei Bänken und einem Tisch (2005) bestückt; nun kann wieder jeder unter dem Dache der Dicken Eichen seine Rast halten.

Markus Göppel